Beschreibung der Innenausstattung der Peterskirche

Die mittelalterliche gotische Architektur der Aflenzer Pfarrkirche findet ihren Gegenpart in der hell strahlenden Innenausstattung des Zeitalters des Barock als deutlich sichtbares Zeichen wiedererlangter katholischer Präsenz.
Für die Ausführung der Altäre ist der Aflenzer Bildhauer MATHIAS LEITNER verantwortlich. Zentrales Bildmotiv des spätbarocken Hochaltars ist die Schlüsselübergabe an den Kirchenpatron von ADAM RITTER VON MÖLCK. Die flankierenden Statuen der Heiligen Benedikt und Lambertus verweisen auf die jahrhundertelange Zugehörigkeit von Aflenz zum Benediktinerstift Sankt Lambrecht. Barbara mit dem Kelch als Schutzpatronin der Bergleute erinnert an den wirtschaftlichen Background der Herrschaft Aflenz, das Rad der Katharina erzählt von ihrem Schicksal als frühe überzeugte Christin.
Die beiden Seitenaltäre sind zeitgleich mit dem Hochaltar entstanden und zeigten ursprünglich ebenfalls Mölck`sche Bilder, die durch Statuen von Peter NEUBÖCK ersetzt wurden. Der nordseitige Seitenaltar ist der Gottesmutter geweiht. Erdkugel und Mondsichel unter ihren Füssen symbolisieren Einfluss und Machtfülle. Ihr zur Seite Apollonia mit der Zange - mangels medizinischer Alternativen durfte man einst auf ihr Wirken bei Zahnschmerzen hoffen. Agnes auf der rechten Seite leistete vorzugsweise Jungfrauen und Kindern vielfältigen Beistand. Der südseitige Josefsaltar gewährt einen Blick in die Vergangenheit: Der hl. Rochus mit entblößtem Pestknie erzählt von einstigen unbehandelbaren Plagen. Der mit Pfeilen durchbohrte leidende Sebastian auf der Gegenseite konnte ebenfalls von Pestkranken angerufen werden. Die Vedute hinter dem hl. Josef zeigt den Marktflecken Aflenz im ausgehenden 19. JH, während die davor eingesetzte Reliquie des letzten Kaisers der Monarchie von einem ehemals größeren Österreich berichtet.
Bis zur Zeit um 1900 war der spätgotische Flügelaltar aus 1525 das Glanzstück der Petruskirche in Aflenz. Heute befindet sich dieses Kunstwerk, das ursprünglich für die Propsteikapelle gestaltet wurde, in der Sankt Lambrechter Peterskirche.
Unter den im ersten südseitigen Langhausjoch angebrachten vier Figuren ist der hl. Nikolaus mit den drei Äpfeln, datiert um 1430, künstlerisch von Bedeutung. Weiters in dieser Reihe: Die Heiligen Benedikt, Blasius und Andreas. Die nordseitig angebrachten Reliefs zeigen u.a. Maria mit den Aposteln aus einer Pfingstwunderdarstellung.
Das Entstehungsdatum der Kanzel verrät die Jahreszahl 1710 am Kanzelkorb. Gottvater mit Schwert als Weltenrichter dominiert am Schalldeckel, während Christus mit der Weltkugel den Platz zwischen den vier Evangelisten einnimmt.
Im Zuge einer umfassenden Kirchensanierung um die letzte Jahrtausendwende wurden nicht nur das Bodenniveau abgesenkt, der alte barocke Boden geborgen und neu verlegt, sondern auch die Nordmauer trockengelegt und die liturgische Einrichtung erneuert. Der neue Volksaltar bringt zeitgenössische Kunst in ein historisches Ambiente: Der aus ehemaligem Kirchengrund in der Stübming gebrochene Marmor des Mensatisches mit warmen hellen Farbtönen fügt sich harmonisch ins barocke Ensemble. Die Bibelstelle – Mt. 16,18 – Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen – diente dem Bildhauer FRED HÖFLER als Leitlinie für die künstlerische Gestaltung. Ebenfalls von Höfler entworfen wurde der Ambo, der als Platz der Verkündigung des Wortes der Pfarrgemeinde entgegenkommt.
Durch die nun tiefer gelegte Stelle unter der Orgelempore im westseitigen Eingangsbereich wird der Taufort mit dem Taufbecken aus dem 16. JH. als eigener Platz definiert. Einen weiteren Akzent im Sinne der Aufnahme in den Kreis der Gläubigen setzt die Figur des Johannes des Täufers an der Westwand.
Der Weg Richtung Osten zum Altar über die alten, wiedergewonnen, vielbegangenen Steinplatten kann im christlichen und mystagogischen Sinne erleb- und erfahrbar werden.
Text: Maria Zifko, zifko.guide